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Kulturreisen Schwarzwald Schwarzwaldmädel

In der Saison 2007 wartete das Schwarzwälder Freilichtmuseum Vogtsbauernhof in Gutach wieder mit einem abwechslungsreichen und vielfältigen Programmangebot auf. Als Höhepunkt präsentiert das Museum in diesem Jahr eine Sonderausstellung, die einer weltweit bekannten Mädchenfigur gewidmet ist: dem „Schwarzwaldmädel".

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Das Schwarzwälder Freilichtmuseum Vogtsbauernhof nimmt den 90. Geburtstag des "Schwarzwaldmädel" – 1917 wurde die Operette in Berlin uraufgeführt – zum Anlass für eine Sonderausstellung, in der die Begegnung von Tradition und Moderne lebendig inszeniert ist. Ein Laufsteg präsentiert traditionelle Trachtenkleidung aus den Herkunftsorten der verschiedenen Häuser im Freilichtmuseum, auf der Tribüne sitzen Schwarzwaldmädchen von heute, die mit den klassischen Vorstellungen vom Schwarzwaldmädchen nicht mehr viel zu tun haben. Eine Bildergalerie versammelt Kunstwerke regionaler Künstler und weist über historische Postkarten hinüber zu einem Kiosk voll Souvenirware.

Bereiteten die Sonderausstellung "Schwarzwaldmädel" vor: Thomas Hafen (Museumspädagoge und Volkskundler), Margit Langer (Öffentlichkeitsarbeit), Dr. Jürgen Weisser (Geschäftsführer des Schwarzwälder Freilichtmuseums Vogtsbauernhof) und Horst Biegert (Technik).

Eine Filmkiste dokumentiert den berühmten Heimatfilm vom Schwarzwaldmädel, eine Büchertruhe dessen literarischen Ursprünge und eine Litfasssäule schließlich jenes Schwarzwaldmädel, das als heiteres Singspiel bis heute zu den erfolgreichsten deutschen Operetten zählt. Als kleines Präsent für die Jubilarin überreicht das Museum sinnbildlich einen Geschenkkorb, in dem das Schwarzwaldmädel in seiner scheinbar ewig währenden Jugendlichkeit als Warenlogo auftaucht.

Begleitend zur Ausstellung erscheint ein Katalog, der das Thema in seinen Facetten vertieft. Neben den täglichen Aktionen auf dem Museumsgelände wie Handwerks- und Mühlenvorführungen sowie zahlreichen traditionsgebundenen Veranstaltungen vom Kinder- und Familienfest bis zum Herbst- und Schlachtfest stellt das Freilichtmuseum außerdem ein vielfältiges Kulturprogramm zum "Schwarzwaldmädel" auf die Beine. Mit insgesamt drei Abendveranstaltungen während der Saison und einem Trachtenwochenende im Juni greift der Vogtsbauernhof die besonderen Reize des Themas auf und verknüpft sie mit einem Programmangebot, das zum Teil völliges Neuland für das Museum ist.

Schwarzwälder Freilichtmuseum Vogtsbauernhof
Das Schwarzwälder Freilichtmuseum Vogtsbauernhof ist vom 25. März bis zum 4. November 2007 täglich von 9 bis 18 Uhr (letzter Einlass: 17 Uhr), im Juli und August täglich von 9 bis 19 Uhr (letzter Einlass: 18 Uhr) geöffnet. Freie Führung für Einzelbesucher täglich um 14.30 Uhr. Eintritt: Erwachsene, Senioren 6,00 €; Ermäßigt 5,00 €; Kinder und Jugendliche (6 bis 17 Jahre) 3,00 €; Familientageskarte 13,00 €; Gruppen ab 15 Personen 5,00 €; Guten-Abend-Ticket (Verkauf/ Einlass 30 min. vor Kassenschluss): bis 17 Jahre 2,00 €, ab 18 Jahre 4,00 €; Saisonkarte Erwachsene 18,00 €; Saisonkarte Familien 30,00 €.

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Die Operette "Schwarzwaldmädel"

Es ist der 25. August 1917. Deutschland befindet sich im dritten Kriegsjahr. Der Krieg war anders verlaufen als man sich das anfangs dachte. Eingerichtet auf ein paar deftige Scharmützel für Kaiser, Gott und Vaterland fuhren umjubelte Eisenbahnwaggons, mit siegessicheren Soldaten besetzt und mit launigen Sprüchen bemalt gen Westen – und kamen nicht mehr zurück. Auf einmal gab es Worte, die man bis dahin gar nicht kannte: Luftkrieg, Giftgas, Stellungskrieg. Die Kriegsberichterstattung, technisch so weit wie noch nie, erreichte mittels Presse und Funk die gesamte Bevölkerung und verhieß nichts Gutes.
In den Städten fehlt es an nichts, außer an Nahrungsmitteln. Ansonsten pflegen die bürgerlichen Schichten einen geschmackvollen Lebensstil. Die zurückgebliebenen Frauen richten für die zurückerwarteten Söhne, Männer und Väter alles schön her. Porzellan ist gefragt, Modejournale verkaufen sich glänzend, Möbelfirmen setzen weißlackiertes Holz in großen Mengen ab. Gehobene Damen besuchen mit gewöhnlichen Hausmädchen die bis auf Tanzveranstaltungen nach wie vor gegebenen Lustbarkeiten.

Die Operette erlebt eine große Zeit. Sie nimmt es mit der Wirklichkeit nicht so genau wie das Schauspiel, ist nicht so schwerblütig wie die Oper und nicht so verrucht wie es das Kino noch ist. Die beschwingten Operettenmelodien lassen das Trommelfeuer der Schlachtfelder vergessen. Einfache und zu Herzen gehende Geschichten schaffen die Sentimentalität, die nötig ist, um die Realität des Krieges zu überstehen. Das Beste an den Geschichten: Die Liebenden bekommen sich am Schluss.

Einer der erfolgreichsten Operettenkomponisten ist Léon Nessel. Der Kaufmannssohn aus Stettin hat ein außerordentliches Gespür für den Geschmack des Publikums. Seine Melodien beschwören eine launige Heiterkeit herauf und avancieren zu Gassenhauern. Sein künstlerischer wie kommerzieller Durchbruch gelingt Jessel mit dem gemütvollen Singspiel „Schwarzwaldmädel„. Die Uraufführung findet am besagten Augusttag in der Komischen Oper in Berlin statt und erntet Begeisterungsstürme. Das „Schwarzwaldmädel„ bleibt über Jahrzehnte ein Zugstück für die deutschen Operettenbühnen und erfährt bis heute immer wieder Neuinszenierungen.

Der Librettist August Neidhart bediente sich beim Texten mit Motiven aus den Dorfgeschichten des Schwarzwälder Volksschriftstellers Berthold Auerbach. Eine glückliche Wahl: Der Schwarzwald, dem Fremdenverkehr noch so unbekannt wie allgemein völlig unverbraucht, liefert die ideale Projektionsfläche für den kollektiven Wunsch nach einem fried- und glücksvollen Leben. Die Alltagsrealität ist von Trauer und Angst geprägt, das Schwarzwaldmädel von Optimismus und Unbekümmertheit.

Daten zur Ausstellung

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